Eines Abends tauchte eine Nachricht von meinem Freund Daniel Bandke im endlosen Social Media Stream meines iPhones auf. Sie war sinngemäß so: „Da wird ein Kameramann für ein Live Musikvideo im Funkhaus gesucht. Können wir mit kleinem Budget ein Musikvideo produzieren? So oder so hab ich einfach Bock mit dir mal wieder ein Projekt zu machen!“ Daniel und ich haben bisher ausschließlich musikalisch die Köpfe zusammengesteckt. Doch darüber hinaus schätze ich sein Talent für Motion Design und Visuals. Und ich glaub, er findet meine Arbeit als Fotograf auch ganz ok (komisch guckender smily). Schon lange sprachen wir darüber endlich mal ein gemeinsames Videoprojekt anzugehen. Hier bot sich eine Gelegenheit. Es sollte nicht die letzte sein.

Die Band Aerger wollte für ihre Albumproduktione eine Crowdfundingkampage starten. Dafür sollte ein Live performance aufgenommen werden und das passende Musikvideo produziert werden. Ort für die Aufnahmen: Die Tricone Studios im Funkhaus Berlin. Für eine Band, die gerade im Aufbau ist, sind natürlich keine großen Budgets drin, also haben wir mit dem gearbeitet was Daniel und ich selbst in der Kameratasche haben. Ich habe mit den Jungs telefoniert und unsere Ideen vorgestellt. Abgesehen vom menschlichen Vibe hat es auch inhaltlich gefunkt. Das Projekt konnte starten.

Aerger – All diese Stunden (Live at Funkhaus Berlin) Part I | 2019

 

Die Location

Die Tricone Studios im Funkhaus Berlin haben einen richtig geilen DDR-Style. Bei der Locationbesichtigung war allen vollkommen klar, dass der Charme unbedingt im Video erhalten bleiben muss. Der Raum war zwar groß genug für die gesamt Band, aber trotzdem insgesamt eher klein. Die Herausforderung war also eine Live Performance so in ein Musikvideo zu packen, dass es nicht langweilig werden würde. Denn es sollte keine Story drumherum geben. Just the performance. Nun sind wir alle Musiker und es gibt für uns kaum eine größere Wonne als anderen Musikern bei ihrer Arbeit zuzuschauen und zu beobachten, wie sie arbeiten. Ich liebe das! Aber gilt das auch für den „normalen“ Zuschauer?

Daniel und ich entschieden uns für den Angriff nach vorn: Wann hat man als Nicht-Musiker schon die Gelegenheit so dicht an eine Band heranzukommen? Im normalen Leben vermutlich eher selten. Also wollten wir genau das liefern: Zugang. Zugang auf unbekannte Perspektiven.

Unser Equipment

  • 2 Kameras (Fujifilm X-T2, Panasonic GH4)
  • 2x Godox SL 60
  • 2 LED Videopanels
  • 1 Octabox
  • 1 Durchlichtschirm
  • 2 Gimbals (haben wir nur als Backup dabei gehabt und nicht verwendet)
  • 1 Monopod (Manfrotto)
  • 1 kleines,
  • viele kleine Lampen für die Stimmung
  • Lightstands

Ziemlich basic also, aber die Aufgabe hieß ja auch „Mit kleinem Budget ein Musikvideo produzieren.“

Der Sound in dem Raum ist fantastisch. Das ganze Studio ist eine einzige Fundgrube an High-End und Vintage Equipment. Ich hätte am liebsten selbst sofort ein paar Songs dort aufgenommen, aber hier ging es um Aerger. Wir haben uns entsprechend über die Live-Aufnahmen gefreut und sofort mit der Produktion des Musikvideos angefangen, sobald die Songs im Kasten waren.

Ich möchte nicht durch jeden einzelnen Schritt der Musikvideoproduktion gehen. Nur soviel sei gesagt: es kann nie genug Einstellungen und Kameraperspektiven geben. Gott sei Dank haben wir zu zweit gedreht. Natürlich machen zwei unterschiedliche Kamerasysteme in der Postproduktion etwas mehr Arbeit, aber den Luxus von zwei gleichen Kameras konnten wir uns hier nicht leisten. Interessant war für mich, dass der Unterschied zwischen dem Log-Profilen der Fujifilm X-T2 und Panasonic GH4 so groß war. Das Fujifilm F-Log ist wesentlich flacher als Panasonic Cine-D Profil.

Frischer Blick

Bei all den Stunden, die man in die Produktion sowie die Postproduktion eines Musikvideos reinsteckt, ist meiner Meinung nach wichtig, dass man das Gefühl des Songs immer präsent hält. Natürlich, wenn man den Song 250 mal (mindestens) hört, kann es schon mal etwas eintönig werden. Dann heißt es Pause einlegen, durchlüften und mal kurz abschalten. So erhält man sich frische Ohren, die genauso wichtig sind, wie ein frischer Blick. Also ruhig mal alles zur Seite legen und den Rechner zwischendurch runterfahren. Das Ergebnis wird es euch danken.

Apropos Ergebnis. Das Ergebnis könnt ihr euch hier unten anschauen. Der Sound von Aerger ist wirklich großartig. Sehr talentierte Jungs! Dass wir Freude im ganzen Prozess hatten, sieht man den beiden Musikvideos hoffentlich an. Ich habe für mich entschieden: Auftrag „Mit kleinem Budget ein Musikvideo produzieren?“ Das geht!

Für Daniel und mich wurde danach klar, dass neue gemeinsame Projekte folgen müssen! Direkt im Anschluss haben wir dann auch gleich den Musikvideo Dreh sowie das Fotoshooting für seine Band Aeon Mirage durchgeplant. Beides habe ich in den Wochen direkt nach diesem Dreh geshootet. Diese Ergebnisse folgen dann hier in wenigen Tagen (oder Wochen 😉 ).

Doch nun erstmal viel Freude beim Anschauen der beiden Musikvideos aus der Kollaboration. Mich würde eure Meinung sehr interessieren!

Aerger – Joggen (Live at Funkhaus Berlin) Part II | 2019

This is a studio performance.
Live music and video recorded at Funkhaus Berlin | Tricone Studios.

A production by Photographer Stephan Schaar & Daniel Bandke (Studio Eigengrau) for German upcoming Indie Rock Band „Aerger“ and their crowdfunding campain.

Camera: Daniel Bandke | Stephan Schaar
Edit: Stephan Schaar
Recording, Mixing & Mastering: Geret Luhr

 

Stephan Schaar ist Fotograf und Content Creator in München.
Seine Expertise liegt in der Erstellung visuell ansprechender Inhalte in Verbindung mit erstklassigem Storytelling.